Untertor-Brücke mit Nydegg-Kirche (Kunstmalerin Ingeborg von Erlach, Bern)
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Was ist Schlaraffia?
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Für Neulinge und Medien Autor: Rt. Pressofix
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Im
Frühjahr 1859 gründeten deutsche Künstler in Prag auf Betreiben von
Theaterdirektor Franz Thomé den „Proletarierklub“ (als Protest gegen
die einseitig der Kunst verpflichtete schöngeistige „Arcadia“),
eine lose Gesellschaft ohne vereinsrechtliche Strukturen. Die Mitglieder
trafen sich regelmässig zu teils ausgelassenen geselligen Abenden. Die
Vereinigung zerfiel aber sehr rasch Am
10.Oktober 1859 schlossen sich deshalb 23 Künstler und Kunstfreunde unter
dem Namen „Schlaraffia“ zusammen mit dem Ziel, Kunst und Humor zum
Zweck inniger Freundschaft zu pflegen. Als Gründer gilt Graf
Gleichen der Lindenmüller. Es entwickelte sich sehr bald der uns
vertraute Sippungsbetrieb, der sich äusserlich am mittelalterlichen
Rittertum inspirierte, aber vom Anfang an als Satire, als Karikatur des
feudalen Ständestaates und einer übertriebenen Bürokratie verstanden
wurde. Die Regel des schlaraffischen Spiels wurden im Spiegel, die
Formalitäten im Ceremoniale niedergelegt. Infolge
des häufigen Ortswechsels der Künstler verbreitete sich die Idee rasch,
zunächst im nahen (vorab dem deutschsprachigen), dann im ferneren Ausland
und schliesslich über die ganze Welt. Nach dem Vorbild der Schlaraffia
Praga entstanden neue Reyche – Berolina, Lipsia, Grazia usw. -
, die im gleichen Geist, aber zum Teil nach eigenen abweichenden Regeln
und Riten sippten. Nach
etwa 17 Jahren entschloss sich daher die Praga zum Handeln, und es gelang
ihr, auf dem 1. Concil in der Lipsia (1876) eine sämtliche Reyche
umfassende Organisation, den Verband Allschlaraffia, zu schaffen. Spiegel
und Ceremoniale wurden für alle Reyche des Uhuversums verbindlich erklärt.
Die Praga wurde zur Allmutter erhoben, die durch den Allmutterrat (dem
heutigen Allschlaraffenrat entsprechend) die Geschicke Allschlaraffias
lenkte. Allschlaraffia
blühte bis in die frühen Dreissiger Jahre des 20. Jh. (254 Reyche oder Colonien mit mehr als 13'000 Mitglieder).
1933 begann der Niedergang: Zuerst sagten sich die deutschen (Bund
„Deutsche Schlaraffia“), später auch die österreichischen Reyche von
der Allmutter los. Bis 1938 sank die Zahl der Reyche weltweit auf 66. In
der gespannten weltpolitischen Lage und in der Furcht vor kommenden
kriegerischen Verwicklungen wurde jetzt auf dem Concil zu Posonium
(Pressburg) die Schaffung eines Allschlaraffenrats diskutiert und die Idee
selbstständiger Landesverbände vorgebracht; Beschlüsse wurden aber
nicht gefasst. Immerhin wurde der Spiegel revidiert (sog. Posonium-Spiegel)
und damit eine wichtige Voraussetzung für den schlaraffischen
Wiederaufbau nach 1945 geschaffen. Während
des Zweiten Weltkrieges bestand Schlaraffia praktisch nur noch in der
Schweiz (die vier Reyche Turicensis, Basilea, Berna und Gallia) und in (Nord-)Amerika.
Bereits am 1.10.1938 wurde auf Initiative von Rt. Rhenanus (Berna) der
Landesverband Schlaraffia Helvetica gegründet; zur Stärkung des
inneren Zusammenhalts wurden jedes Jahr helvetische Freundschaftsippungen
veranstaltet. Auch die nordamerikanischen Reyche schlossen sich zu einem
Landesverband zusammen. Nach
dem Zweiten Weltkrieg regte sich namentlich in der Bundesrepublik
Deutschland und in Österreich wieder schlaraffisches Leben. Viele
untergegangene Ryche wurden unter dem alten Namen neu gegründet. In enger
Zusammenarbeit mit den helvetischen und den nordamerikanischen Reychen
wurde die heutige, föderalistisch geprägte Organisation Allschlaraffias
errichtet. Die – an sich autonomen – einzelnen Reyche sind –
national oder kontinental – zu Landesverbänden (LV Austria,
Landesverband Deutschland, Landesverband Nordamerika, LV Schlaraffia
Helvetica, LV Südamerika) zusammengeschlossen. Diese wiederum bilden den
Verband Allschlaraffia, ihre Vertreter haben Sitz und Stimme im
Allschlaraffenrat (ASR). Diese allschlaraffische Ordnung hat sich bestens bewährt. Die Zahl der Reyche wächst, und die schlaraffische Idee hat in allen fünf Kontinenten (neuerdings auch in Australien) Wurzeln geschlagen. |
Zur Geschichte der trutzigen Berna
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Am
15. November 1884 wurde die Schlaraffia Berna gegründet (u.a. durch die
Erzschlaraffen Bombasticus -profan Maximilian von Witzleben-Barchewitz-
und Carlos von der Wupper- profan Carl Heusser-; ein weiterer Ez war Rt.
Esparsette – profan Hans Klee -, der Vater des Malers Paul Klee). Die
Sassen sippten zuerst in der Frickburg (dem heutigen Restaurant „Della
Casa“). In der Folge wechselten Zeiten der Blüte rasch mit solchen des
Niedergangs. 1893
gelang es schliesslich, an der Postgasse 10 ein kleines, bescheidenes,
baufälliges Haus zu mieten. 1896/97 entstand auf dessen Fundament ein
neues Gebäude, im wesentlichen (von einigen baulichen Veränderungen in
neuerer Zeit abgesehen) die heutige Trutzburg. Seit 1917 ist diese
Eigentum des Reyches. Am
Wiederaufbau Allschlaraffias nach dem Zweiten Weltkrieg nahm die Berna führenden
Anteil. Erbhkt. Rhenanus verkörperte wie kaum ein Zweiter den
Widerstand gegen Anfeindungen von aussen und kleinmütige Verzagtheit im
Inneren. Auf seine Initiative wurde am 1.10.1938 der Landesverband
Schlaraffia Helvetica gegründet, und schon vorher gab sein Aufruf den
Anstoss zur Durchführung helvetischer Freundschaftssippungen. Rt.
Parafratello gelang es, wenigstens einen Teil des Praga-Archivs in die
Schweiz zu retten. An der Neuordnung der allschlaraffischen Verhältnisse
hatten die Vertreter unseres Reyches führenden Anteil. In der Folge
stammten nicht weniger als vier Allschlaraffenräte aus unseren Reihen
(die Ritter Volley, Ric-Rac, Codex und Mundstück), mehrere Male stellte
die Berna den Vorsitz im Landesverband, etliche „Tagsatzungen“
fanden in Bern statt. Unter den heute zwölf (davon neun schweizerischen)
helvetischen Reychen nimmt die trutzige Berna eine geachtete Stellung ein. |